Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz.
Zum Hauptinhalt springen

Antrag zum Haushalt 2021 - Genossenschaftliches Wohnen in Lippe fördern!

Sachdarstellung:
 
Der Antrag nimmt Bezug auf den Antrag 140.2/2019. Damals wurden unter Spiegelstrich 5. folgende Punkte beschlossen:

„5. Der Landrat wird beauftragt, ein umfassendes Konzept mit einer entsprechende Bedarfsanalyse zur Gründung einer kommunalen Wohnungsbaugenossenschaft vorzulegen. Die Genossenschaft soll
Studentenwohnungen, barrierefreie Wohnungen und günstige Mietwohnungen (Sozialwohnungen) bauen und die Entwicklung neuer Wohnformen sowie geringwertiger Immobilien unterstützen. Eine Beteiligung lippischer Bürger soll möglich sein. Zur Deckung der Konzeptionierungskosten wird der in Höhe von 10.000 € vorgesehene Zuschuss an die InnoConsult GmbH (PSK 5317700 im Produktbereich 015 001 002) umgeschichtet auf die ZK 2025-Maßnahme „Bündnis für Wohnen im ländlichen Raum“. Die Haushaltsmittel können auch als Gründungskosten genutzt werden, wenn die Konzepterstellung ohne zusätzliche Haushaltsmittel durch die Verwaltung erfolgen kann und der Kreistag der Gründung zustimmt.  
[…]
Zu 5: Wohnen in Lippe verändert sich. Wir brauchen barrierefreie Wohnungen für Senioren und Studenten, aber auch günstigen Wohnraum für Familien und Menschen mit geringem Einkommen. Eine kommunale Wohnungsbaugenossenschaft kann hier effektiv mitgestalten. Vor dem Hintergrund sinkender Zinsen auf dem Kapitalmarkt bietet eine Genossenschaft auch eine interessante Anlageoption für Lipperinnen und Lipper.“

 
Die Umsetzung der damaligen Beschlüsse soll nun kurzfristig angegangen werden und zügig und mit einem festen Zeitplan erfolgen, denn die Notwendigkeit genossenschaftlichen Wohnungsbaus ist bereits hinreichend belegt und diskutiert worden.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wir möchten ökologisches Wohnen für alle ermöglichen. Die Versorgung mit angemessenem Wohnraum alleine dem Wohnungsmarkt zu überlassen, führt heute leider zu unbefriedigenden Ergebnissen. Ein Beispiel dafür ist die Bildung sogenannter sozialer Brennpunkte. Die Entmischung von Gesellschaftsschichten kann dabei zur Ausgrenzung führen und den sozialen Zusammenhalt nachhaltig schwächen.
Außerdem führen die ohnehin notwendigen ökologischen Veränderungen in der Gesellschaft zwangsläufig zu sozialen Herausforderungen.  
Mit einer vom Kreis gegründeten Wohnungsbau-Genossenschaft kann nachhaltiger ökologischer Wohnungsbau umgesetzt werden. Der Kreis Lippe wird damit seiner Vorbildfunktion für Wohnungsbau-Unternehmen, Mieter*innen und Vermieter*innen gerecht.
Unternehmen erhalten die Möglichkeit, auf diese Erfahrungen und Referenzen aufzubauen. An dieser Stelle sei an die angeregte Diskussion um die Sanierung der Kreishausfassade erinnert. Neue Werkstoffe wie heimisches Holz, hohe Energieeffizienz und der Einsatz erneuerbarer Energie sollen die Projekte dieser Wohnungsbau-Genossenschaft prägen.

Der Wohnungsmarkt wird sich in den nächsten Jahren verändern. Durch den demografischen Wandel wird sich das Wohnbedürfnis vieler Menschen ändern. Der Anteil der Single-Haushalte wird steigen. Die Nachfrage nach kleinen Wohnungen, die barrierefrei gestaltet sind, wird zunehmen. Gerade diese Wohnungen sind heute schon sehr gefragt. Die Nachfrage nach großen Wohnungen wird hingegen zurückgehen. Diese Veränderungen treffen alle lippischen Kommunen, leider aber in unterschiedlichen Maßen. Wenn kein attraktives Wohnangebot gemacht wird, führt dies zu einem deutlichen Rückgang der Einwohnerzahlen in manchen ländlichen Gemeinden, vor allem im Osten von Lippe. Ein solcher Bevölkerungsverlust führt zu Problemen in Bezug auf die öffentliche Infrastruktur (z. B. beim ÖPNV und bei den Schulen) und zu einem Wertverlust bei privaten Immobilien. Die Auswirkungen des demografischen Wandels sollte der Kreis Lippe nicht nur ertragen, sondern ihnen etwas entgegensetzen, indem er den Wandel aktiv gestaltet. Hierzu ist zugleich eine Verzahnung mit Quartiersmanagement-Projekten und den medizinischen Versorgungszentren sinnvoll.
Eine solche Genossenschaft versteht sich zugleich auch als Einladung an die lippischen Bürger*innen, sich zu beteiligen. Durch die aktuelle Geldmarktpolitik der EZB empfinden viele Menschen es heute als schwierig und unsicher, eine sichere Vermögensanlage zu gewährleisten. Der Kreis Lippe schafft mit der Möglichkeit, sich an einer Wohnungsbau-Genossenschaft finanziell zu beteiligen, eine risikoarme Anlagemöglichkeit.
Diese Genossenschaft soll nur ein erster Schritt sein. Wir gehen davon aus, dass künftig weitere Wohnungsbau-Genossenschaften gegründet werden, auch, damit die jeweiligen Einheiten nicht allzu groß und unübersichtlich werden.
 
Mit freundlichem Gruß
 
gez. Jacob-Reisinger
Fraktionsvorsitzende