Die Geschichte der Arbeiter*innenbewegung
Die Ursprünge der Arbeiter*innenbewegung liegen in der industriellen Revolution1. Diese zwang immer mehr Menschen in die neu entstehenden Ballungsgebiete, wie das Ruhrgebiet, zu ziehen1. Doch der versprochene Wohlstand blieb aus, der Kapitalismus zeigte sein ganzes Gesicht. Schnell gab es mehr Arbeitssuchende als offene Stellen1. Das veranlagte die Fabrikherren dazu, die widrigsten Arbeitsbedingungen zu erschaffen, die nur möglich waren, darunter 14 bis 16 Arbeitsstunden am Tag, sechs Tage die Woche1. Gleichzeitig sanken die Bruttoreallöhne in den 1870er Jahren unter den Durchschnitt des frühen 19. Jahrhunderts1. Dazu entwertete die Arbeit, da Menschen zuvor noch das gesamte Produkt herstellten und fortan lediglich ein Teil im System waren1. „Diese Machtverhältnisse im Arbeitsleben führen zu einem tiefen Interessengegensatz zwischen Kapital und Arbeit“1 (Hans Böckler Stiftung). Die Zahl derer, die ihren Interessengegner in den Arbeitgebern, gleichzeitig den Besitzern der Produktionsmittel, sahen, wuchs immer weiter an1. Trotz der immer weiterwachsenden Überzeugung, dass der Gegner die Arbeitgeber waren, war die Arbeiter*innenklasse gespalten, eigentlich in allen möglichen Faktoren, wie Alter, Religion oder Herkunft1.
Trotz dieser Umstände scheiterten die ersten Versuche, Arbeitervereine zu gründen2. Gründe dafür waren die fehlenden Erfahrungen und finanzielle Mittel, sowie das fehlende politische Bewusstsein, dass solche Vereine notwendig sind, um Verbesserung der Arbeiter*innenklasse zu erkämpfen2. Die ersten Vereine, die länger aktiv sind, helfen überwiegend Arbeiter*innen in Not, solche die sich dem Arbeitskampf widmen gibt es nur vereinzelt2. Doch die Jahre vor der Revolution zeigten, dass Selbsthilfevereine allein nicht ausreichen, um die Steigerung der Unzufriedenheit der Arbeiter*innenklasse zu verhindern4. Es kommt zu Hunger-Unruhen und teilweise zu Maschinenstürmerei4. Obwohl die ersten Streikaktionen, noch vor der Revolution 1848, oftmals scheiterten, waren sie gut dafür, die Erkenntnis zu verbreiten, dass Forderungen der Arbeiter*innenklasse mit starker Organisation durchgesetzt werden können2. Vorkämpfer waren nicht nur die Arbeiter*innen, sondern vor allem auch Handwerksgesellen, die von der Indusrtiealisierung in ihrer Existenz bedroht waren2. Einer der ersten Verbände war der radikaldemokratische „Bund der Geächteten“, der 1834 in Paris gegründet wurde4. Dessen Abspaltung aus 1837, der „Bund der Gerechten“ wurde 1847 stark von Karl Marx und Friedrich Engles geprägt und benannte sich folglich in den „Bund der Kommunisten“ um4. Dieser Bund propagierte dann auch Marx und Engels Thesen des „Kommunistischen Manifests“4. Doch zu Zeiten der Veröffentlichung geht das Kommunistische Manifest an den Massen in Deutschland vorbei, erst viele Jahre später wird es zu dem bedeutenden Werk als das wir es heute kennen4.
Die Revolution 1848 wurde überwiegend von Handwerker*innen und Arbeiter*innen getragen3. Sie forderte vor allem die nationale Einheit, parlamentarische Demokratie und die Einführung des Wahlrechts3. Die der Arbeiter*innenorganisationen geforderten Sozialreformen wurden auch in der erkämpften Nationalversammlung nicht berücksichtigt3. Dennoch konnten die erstmalige Presse-, Vereins- und Versammlungsfreiheit in der Verfassung verankert werden3. Dies ermöglichte, dass immer mehr Gesellen- und Arbeiter*innenorganisationen gegründet wurden2. Doch nur zwei Jahre später entzog die Monarchie diese Rechte wieder, verbot die meisten Organisationen und verfolgte deren Anführer*innen2.
Diese Verschlechterung der politischen Situation und die zeitgleich immer weiter voranschreitende Industrialisierung und die damit einhergehende Verelendung immer mehr Menschen sorgte dafür, dass um 1860 herum die deutsche Politik wiederbelebt wurde5. Dieser Prozess gipfelte 1863 in der Gründung des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“, welcher als Sammelbecken für die unzufriedenen Arbeiter*innen Preußens und der norddeutschen Kleinstaaten diente5. Durch die Erweckung aus der politischen Interessenlosigkeit der Arbeiter*innenklasse legte Ferdinand Lassalle den Grundstein für eine große sozialistische Partei in Deutschland5. Diese Bewegung fand gleichzeitig auch international statt, so gründete sich nur ein Jahr später, am 28. September 1864, die „Internationale Arbeiter-Assoziation“, heute bekannt als die erste Internationale6. Sie war der erste internationale Zusammenschluss sozialistischer Gruppen, welcher sich allerdings zwölf Jahre später wieder auflöste6. Grund dafür waren die verschiedenen Strömungen, vor allem die Anarchisten um Bakunin und die Marxisten um Marx führten schon bald einen ideologischen Kampf7. Karl Marx setzte sich mit seinen Vorstellungen durch, was zur Abspaltung der Anarchisten führte6. Diese sorgte dafür, dass die IAA in der Bedeutungslosigkeit verschwand und 1876 aufgelöst wurde6. 1889 kamen in Paris wieder sozialistische Gewerkschaften und Parteien aus der ganzen Welt zum zweiten Internationalen Arbeiterkongress zusammen8. Hier wurde beschlossen, sich den Plänen des Amerikanischen Arbeiterbundes für eine weltweite Demonstration am 1. Mai 1890 anzuschließen8. Der 1. Mai war in Amerika auch unter dem Namen „Moving Day“ bekannt, denn es war der Tag an dem viele Arbeitsverträge verlängert oder beendet wurden, damit einhergehend auch den Wechsel von Arbeitsplätzen und Wohnorten8. 1886 gingen in den USA rund 400.000 Menschen auf die Straße und forderten den 8-Stunden Tag, geantwortet wurde mit Gewalt, die Polizei erschoss mehrere Streikposten8. Streikposten sind dafür da, Arbeitswillige, so genannte Streikbrecher, dazu zu bringen, sich am Streik zu beteiligen9. Am 1. Mai 1890 legten in Deutschland etwa 100.000 Menschen ihre Arbeit nieder, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (heute SPD) beteiligte sich, die Arbeitgeber*innen reagierten unter anderem mit Entlassungen8. Es war die Geburtsstunde des Tag der Arbeiter*innenbewegung, nicht des Tag der Arbeit, wie es heute genannt wird. Dieser fälschliche Name allein zeigt schon auf, dass das Klassenbewusstsein mittlerweile gezielt aus den Köpfen der Arbeiter*innen gestrichen wurde. Diesen Tag zu entpolitisieren ist nur einer der Angriffe auf die Arbeiter*innenklasse.
Der Kampf um den 8-Stunden Tag begann schon in den 1880er Jahren und endete dann im November 1918, als der 8-Stunden Tag gesetzlich eingeführt wurde, gleichzeitig erkannten sich durch das Abkommen Gewerkschaften und Privatwirtschaft gegenseitig an10. Daran anknüpfend wurde am 1. Mai 1955 für die 5 Tage Woche gekämpft, bis 1967 dauerte es noch, bis die 40- Stunden Woche tarifvertraglich festgehalten wurde11. Diese beiden erfolgreich erkämpften Änderung prägen noch heute die meisten Arbeiter*innen. Bereits im 19. Jahrhundert gab es das Streben der Arbeiter*innenklasse danach, in den Unternehmen mitbestimmen zu dürfen. Diesen Kampf nahmen Gewerkschaften wieder auf und schafften so die Einrichtung von Betriebsräten, welche Mitbestimmung an die Arbeiter*innen geben sollten11. Die Arbeiter*innenklasse war auch in der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall schlechter gestellt als die Angestellten, deshalb begab sich die IG Metall 1956/57 in einen 16-wöchigen Streik, welcher für leichte Verbesserungen sorgte11. Bis zur kompletten Gleichstellung der Arbeiter*innenklasse und der Arbeitnehmenden brauchte es weitere Kämpfe der Gewerkschaften bis 197011. Weitere Erfolge sind bezahlter Urlaub und ein gesetzlich verankerter Jahresurlaub, Kündigungsschutz, der gesetzliche Mindestlohn, die sozialen Sicherungssysteme, Arbeits- und Gesundheitsschutz und noch viele weitere11.
Viele der Themen, die über Jahrzehnte Kampf erkämpft wurden, fanden sich in den letzten Wochen und Monaten in den Medien wieder. Allerdings nicht auf eine gute Art und Weise, sondern weil von einer breiten Front aus AfD, CDU/CSU, SPD, Springer und anderen rechten Hetzblättern alles angegriffen wird, was nicht Niet- und Nagelfest ist. Die Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag setze „die falschen Anreize“, so Katherina Reiche12. Es soll der Karenztag wieder eingeführt werden, was bedeuten würde, die Arbeitnehmenden müssten den ersten Tag im Krankheitsfall selbst finanzieren12. Den 8-Stunden Tag will die CDU in seiner jetzigen Form einfach direkt komplett abschaffen. Sie bezeichnen das Ganze als „mehr Freiheiten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber“ (CDU)13. Sie wollen die Tagesarbeitszeit abschaffen und dafür eine Wochenarbeitszeit einführen, eine Regelung die „zugleich sicher und fair“ (CDU) sei13. Die CDU verkennt dabei offenbar komplett, dass die Arbeiter*innen in Deutschland, laut Berechnungen des DGB, im Jahr 2024 knapp 1,2 Milliarden Überstunden leisteten, davon mehr als die Hälfte unbezahlt14. Das heißt, es wird sich jetzt schon kaum an den 8-Stunden Tag gehalten. Diese Änderung würde das Tor der Ausnutzung und Ausbeutung durch Arbeitgebende weiter öffnen. Die Union wehrte sich vehement, den hart erkämpften Mindestlohn, der ein würdevolles Leben ermöglichen sollte, auf 15€ zu erhöhen. Dies wäre nach EU-Standards gerade so hoch genug, um einen armutsfesten Mindestlohn zu haben. Dieser soll 60% des Bruttomedianlohns umfassen15 . Der lag 2024 bei 52.159€ im Jahr16, rechnet man das auf einen Stundenlohn runter, dann hätten wir 15,05€, um über der Armutsgefährdungsschwelle zu liegen. Das ist viel, aber noch lange kein sorgenfreies Leben für die Arbeiter*innenklasse. Die sozialen Sicherungssysteme werden von der Regierung komplett ausgehöhlt, das ausführlich aufzuarbeiten sprengt jetzt hier den Rahmen. Und die SPD, die einst an der Seite der Arbeiter*innenklasse stand? Die trägt diese Scheiße komplett mit und wenn man Bärbel Bas und Lars Klingbeil teilweise beim reden zuhört, dann fühlt sich das fast so an, als würden sie das gerne machen. Sind halt Klassenverräter*innen.
Um sich dagegenstellen zu können, brauchen wir Gewerkschaften und eine linke Bewegung, die es sich als Ziel setzt die Arbeiter*innenklasse wieder zu einen und für ihre Rechte zu kämpfen, begonnen am 1. Mai und darüber hinaus. Wir müssen uns dem Klassenkampf verschreiben. Und weil ich es nicht besser zusammenfassen könnte, möchte ich mit zwei Zitaten enden:
„Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nicht zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder vereinigt euch.“17
„Ihr Untergang [der Bourgeoisie] und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich“18
Quellenverzeichnis
1) www.gewerkschaftsgeschichte.de/1830-bis-1870-soziale-lage-55531.htm
2) www.gewerkschaftsgeschichte.de/1830-bis-1870-gewerkschaften-55530.htm
3) www.gewerkschaftsgeschichte.de/1830-bis-1870-politik-55533.htm
6) www.dasrotewien.at/seite/erste-internationale
7) www.deutschlandfunk.de/klassenkampf-vor-150-jahren-wurde-die-internationale100.html
8) www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/520516/1-mai-tag-der-arbeit/
9) www.bpb.de/themen/medien-journalismus/netzdebatte/217281/streik-glossar/
10) www.bpb.de/kurz-knapp/taegliche-dosis-politik/542995/einfuehrung-des-8- stunden-tags/
11) www.dgb.de/der-dgb/geschichte-des-dgb/erfolge-der-gewerkschaften/
13) www.cdu.de/aktuelles/politikwechsel/flexiblere-arbeitszeitregelung/
14) DGB Index Kompakt 02/2025 - PDF Download
15) arbeitgeber.de/themen/europa-und-europaeische-union/europaeischermindestlohn/
16) www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/einkommensstatistikbruttoeinkommen-100.html
17) www.deutschestextarchiv.de/book/view/marx_manifestws_1848
18) www.deutschestextarchiv.de/book/view/marx_manifestws_1848
