Dumm schämt sich nicht mehr
Die islamfeindlichen Schmierereien in Oerlinghausen Helpup sind ein weiteres Symptom einer zunehmend enthemmten rechten Hetze in Deutschland. Parolen wie „Fuck Islam“ oder „Muslime töten“ sind nicht nur strafbare Volksverhetzung – sie spiegeln eine gesellschaftliche Normalisierung von Rassismus und Menschenfeindlichkeit wider, die seit Jahren systematisch vorangetrieben wird.
Dass nach islamfeindlichen Schmierereien im Umfeld der Grundschule Helpup der Staatsschutz ermittelt, ist richtig, doch die Frage bleibt: Warum kommen solche Taten immer häufiger vor?
Ein zentraler Faktor ist das Erstarken der AfD und anderer rechtspopulistischer Kräfte, die seit Jahren mit rassistischen und islamfeindlichen Narrativen Stimmung machen. Wenn eine Partei, die offen gegen Muslime hetzt, in Umfragen bei 20 Prozent und mehr liegt, wenn ihre Funktionäre von „Remigration“ fantasieren oder den Islam als „fremde Kultur“ diffamieren, dann gibt das Tätern das Gefühl, im Recht zu sein. Die AfD schafft mit ihrer Rhetorik einen Nährboden für Gewalt – und entbindet ihre Anhänger von jeder Scham.
Doch es geht nicht nur um die AfD. Es geht um eine gesamte politische Verschiebung nach rechts, in der rassistische Äußerungen längst den Mainstream erreicht haben. Medien wie die Bild-Zeitung oder Teile der Union bedienen islamfeindliche Diskurse, sprechen von „Importierter Gewalt“ oder „Parallelgesellschaften“, als wären Muslime per se ein Sicherheitsrisiko, und machen damit Hass salonfähig.
Die Täter von Oerlinghausen handeln nicht im luftleeren Raum – sie fühlen sich bestärkt durch eine politische Kultur, die Ausgrenzung belohnt.
Dass sich solche Vorfälle häufen ist das Ergebnis einer lange betriebenen Entsolidarisierung. Wer jahrzehntelang Muslime als „Andere“ konstruiert, wer über „Überfremdung“ stöhnt oder „Heimat“ als Code für ethnische Homogenität verwendet, der muss sich nicht wundern, wenn irgendwann die Wände mit Hass beschmiert werden. Die Schmierereien in Oerlinghausen sind damit die logische Konsequenz einer Politik, die Sozialneid und Rassismus gezielt schürt.
Es reicht nicht, solche Taten zu verurteilen. Wir müssen die Ursachen benennen: eine Gesellschaft, in der Rechte ungestört hetzen dürfen, in der Rassismus als „Meinung“ durchgeht und in der die AfD mit ihrer Hetze den Diskurs bestimmt.
Solange wir nicht bereit sind, uns dieser Entwicklung entschieden entgegenzustellen – in der Politik, in den Medien, im Alltag – wird sich nichts ändern.
Die Täter in Oerlinghausen schämen sich nicht. Aber wir sollten uns schämen, wenn wir weiter zulassen, dass ihr Hass Normalität wird.

