Aktuelle Pressemeldungen
Alte Pauline
Die Fraktion der Freien Wähler in Detmold fordert und beantragt die Entfernung eines antifaschistischen Symbols am Gebäude der Alten Pauline. Dies dürfe an einem städtischen Gebäude nicht geduldet werden.
In den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gründete sich eine Initiative von Jugendlichen im Stadtteil Pivitsheide, man würde sie heute vielleicht als Jugend-Kulturinitiative bezeichnen, und stritt für ein selbstverwaltetes Jugendzentrum.
Nach einigem Hin und Her wurden den Jugendlichen von der Stadt Detmold ein paar freie Garagenräume für ihre Zwecke zur Verfügung gestellt. Für einige Monate lief hier ein auch über Detmolder Grenzen hinaus geschätzter Jugendbetrieb. Wegen vermeintlicher Drogen- und Sex-Exzesse (manche Bürgerinnen und Bürger konnten sich junge Menschen damals einfach nicht anders vorstellen) wurde der Betrieb durch die Stadtverwaltung wieder eingestellt. Es sollte Jahre dauern, bis erneut junge Menschen in Detmold konsequent mit vergleichbaren Zielen auftraten.
Die Stadt Detmold, ihre Verwaltung, ihre Politik sind heute insgesamt im Umgang mit subkulturellen Auftritten von Teilen ihrer jungen Bürgerinnen und Bürger toleranter, reifer geworden. Aber, wie bei allen Reifungsprozessen bleibt doch stets ein wenig von den alten Vorurteilen früher Zeiten erhalten.
Solange die Linke im Rat der Stadt Detmold vertreten ist, spielt die selbstverwaltete Kulturinitiative KID thematisch immer wieder einmal eine Rolle, meist in Form grundsätzlicher Infragestellung. So möglicherweise auch jetzt im Zusammenhang mit dem jüngsten Antrag der Freien Wähler auf Entfernung eines Emblems mit antifaschistischer Aussage an der Hauswand der Alten Pauline, dem zur Verfügung gestellten Stammhaus der KID.
Wir können diesen Antrag nicht verstehen. Schon allein den Zeitpunkt nicht. In einer Zeit, in der gerade faschistisch orientierte Straftaten beängstigend zunehmen gegen Asylunterkünfte, anders Aussehende und anders Denkende ist dieser Antrag der Freien Wähler auch ein wenig beängstigend.
Detmold ist Kulturstadt mit vielen herausragenden Angeboten. Das ist gut so, das soll so bleiben. Es steht einer Kulturstadt gut zu Gesicht, auch asymetrische Kultur, inklusive Kulturen anders ausgerichteten Politikverständnisses als das zu nehmen, was sie sind: Farbtupfer im kulturellen Alltag Detmolds, ein wenig auch das Salz in der Suppe des Detmolder Kulturbetriebs, inklusive des Betriebs politischer Kultur. So kann der Antrag der Freien Wähler auch unmöglich unsere Unterstützung finden.
