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Evelin Menne, Fraktionsvorsitzende

Keine Ladenöffnung an Sonntagen!

Evelin Menne, DIE LINKE. Ratsfraktion Detmold

Am 8. März war der Weltfrauentag, am 19. März, also in zwei Tagen, ist Equal Pay Day. Dieser Tag, für alle, die es noch nicht wissen, ist derjenige Tag des Jahres, an dem eine Durchschnittsfrau seit dem 1.1.2015 mit dem gleichen Arbeitsvolumen das gleiche Einkommen erwirtschaftet hat (Ich sage nicht „verdient hat“ an dieser Stelle!) wie ein Durchschnittsmann in Deutschland im Kalenderjahr 2015. Bis dahin haben Frauen also 79 Tage quasi für lau gearbeitet. Der Equal Pay Day pendelt seit seiner Einführung in Deutschland um ein Datum Mitte März herum. - Es ändert sich nichts.

Wie komme ich auf diesen Zusammenhang? Wir wollen hier und heute doch letztendlich über die Arbeitszeiten von Frauen beschließen, über Frauen, die nicht zu den Besserverdienenden gehören, Frauen, die zusätzlich oft auf Abruf beschäftigt sind und sowieso schon für ihre Arbeitszeiten bis in den späten Abend hinein unterwegs sein müssen. Hinzu kommt: Durch das traditionelle, nach wie vor existierende Rollenverhalten sind sie ohnehin von häuslichen, familien- und kinderbezogenen Belastungen mehr betroffen als Männer.

 

Über diese berufstätigen Frauen in unserer Stadt wollen Sie nun beschließen, dass sie sonntags arbeiten sollen. Und zu wessen Nutzen? Volkswirtschaftlich ist es Blödsinn. Es ist seit vielen Jahren bekannt dass das nichts bringt. Die Torte ist nur einmal da. Und ganz egal an wie vielen Tagen die Torte gegessen werden darf: ES IST IMMER NUR DIESELBE TORTE! Und wenn wir in Detmold an soundso viel Sonntagen, dann machen die nebenan in - was weiß ich – Bückeburg, Pyrmont oder Paderborn halt an noch mehr Sonntagen auf. Wenn es keine Höchstgrenzen gäbe, dann ginge dieser Wettbewerb immer weiter um mehr und mehr offene Sonntage, damit die jeweiligen Tortenstücke für die eigene Stadt möglichst größer werden. 

 

Die Größe der Torte verändert sich aber nicht. DAS KÖNNEN WIRKLICH NUR LOHNVERHANDLUNGEN! DAS KÖNNEN WIRKLICH NUR GUTE TARIFLÖHNE ERREICHEN! Die Binnennachfrage kann nur gestärkt werden, wenn die Menschen über ein auskömmliches Einkommen verfügen. Wir machen uns was vor, wenn wir glauben, mit Sonntagsarbeit für Verkäuferinnen daran etwas zu verändern.

 

Aus diesem Grund möchte ich Sie, liebe Kollegen und Ratsherren, bitten, sich solidarisch zu zeigen und diese Vorlage abzulehnen, obwohl ich nicht damit rechne, dass Sie das mehrheitlich tun werden. Aber Sie, liebe Kolleginnen, liebe Ratsfrauen, Sie möchte ich nicht bitten, Sie möchte ich auffordern:

 

Widersetzen Sie sich dem Fraktionszwang, setzen Sie ein Zeichen! Machen Sie eine Abstimmung von Frauen für Frauen daraus, auch wenn wir damit nicht die Mehrheit gegen diesen Antrag bekommen. Dieser Rat wird weitgehend von Männern dominiert. Dennoch: Wir können in dieser Ratssitzung zwischen Weltfrauentag und Equal Pay Day ein Zeichen setzen, und das wird spürbar sein. Und wenn im nächsten Jahr wieder dieser Tagesordnungspunkt ansteht, werden vielleicht auch die Diskussionen in ihren Fraktionen soweit fortgeschritten sein, dass es nicht wieder zu Sonntagsarbeitszeit für Verkäuferinnen kommt. Lassen Sie uns die Chance nutzen, liebe Kolleginnen, seien Sie widerspenstig! Helfen Sie mit, stimmen Sie mit, entscheiden Sie mit gegen Sonntagsarbeit.

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