Als Gebietsverband für Lage, Leopoldshöhe und Oerlinghausen haben wir uns im April 2025 gegründet, um speziell im Westen des Kreises Lippe für soziale Gerechtigkeit und eine bessere Zukunft einzutreten.
Sowohl in Lage als auch in Oerlinghausen sind wir mit jeweils einem Mandat im Stadtrat vertreten.
Neuigkeiten
Zukunft gestalten: Der Schulneubau in Oerlinghausen als Chance für soziale und nachhaltige Stadtentwicklung
Oerlinghausen steht vor einer einmaligen Gelegenheit. Durch den geplanten Schulneubau könnte eine Fläche in der Innenstadt frei werden, die das Potenzial hat, unsere Stadt nachhaltig zu verändern.
Auch unsere Bergstadt steht vor den typischen Herausforderungen ländlicher Räume: eine alternde Bevölkerung, Abwanderung junger Familien und Fachkräfte sowie den Druck, bezahlbaren Wohnraum und lebendige Infrastruktur zu erhalten.
Aktuell wird diskutiert, ob die beiden weiterführenden Schulen in Oerlinghausen auf ihren jeweiligen Flächen verbleiben oder ob beide Schulen sich in Zukunft die Fläche auf der Seite des Niklas-Luhmann-Gymnasiums teilen sollen.
Durch eine mehrstöckige Ausgestaltung des Neubaus der Heinz-Sielmann-Schule und eine Aufstockung des Niklas-Luhmann-Gymnasiums kann die Ertüchtigung beider Schulen planerisch problemlos mit deutlich weniger Flächenverbrauch realisiert werden.
Diese räumliche Zusammenlegung wird vor allem von Eltern und Lehrkräften abgelehnt, da für sie verständlicherweise pädagogische Aspekte wie individuelle Schulprofile und die Bewahrung gewachsener Strukturen eine zentrale Rolle spielen.
Doch bei dieser Entscheidung müssen nicht nur pädagogische, sondern auch städtebauliche und soziale Aspekte berücksichtigt werden. Die freiwerdende Fläche bietet die Chance, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Perspektiven unter einem Dach zu vereinen.
Warum diese Fläche so wichtig ist
Die demografische Entwicklung in Oerlinghausen zeigt klare Tendenzen: Der Anteil der über 65-Jährigen liegt bereits bei 24,2 % und wird bis 2050 weiter steigen.1 Gleichzeitig fehlt es an bezahlbarem Wohnraum und attraktiven Arbeitsplätzen, was besonders junge Familien und Fachkräfte zur Abwanderung bewegt.
Die freiwerdende Innenstadtfläche ist daher kein gewöhnliches Baugrundstück. Sie liegt zentral, ist gut erreichbar und bietet die Möglichkeit, soziale, ökologische und wirtschaftliche Bedürfnisse in einem Projekt zu verbinden. Hier können wir zeigen, dass ländliche Räume keine Restkategorie der Stadtentwicklung sind, sondern Laboratorien für soziale und ökologische Innovation.
Die Diskussion um die Schulflächen: Pädagogik und Stadtentwicklung im Einklang
Die aktuelle Debatte, ob die beiden weiterführenden Schulen auf ihren jeweiligen Standorten bleiben oder eine gemeinsame Fläche nutzen sollen, ist komplex.
Pädagogische Argumente sprechen klar für den Erhalt der bestehenden Standorte:
- Individuelle Schulprofile können besser bewahrt werden, wenn jede Schule ihre eigene Identität und räumliche Struktur behält.
- Gewachsene Strukturen wie Schulhöfe, Sportanlagen und soziale Netzwerke würden durch einen Umzug gestört.
Doch diese Diskussion darf nicht nur pädagogisch geführt werden. Es geht auch um die Zukunft unserer Stadt. Wenn wir die freiwerdende Fläche klug nutzen, können wir Mehrwerte für die gesamte Bevölkerung schaffen – ohne die Bildungsqualität zu beeinträchtigen.
Exkurs: Eine Schule für alle
Die Linke setzt sich seit langem für das Konzept „Eine Schule für alle“ ein – eine Schule, die soziale Ungleichheit abbauen, Inklusion leben und Bildungschancen für alle Kinder unabhängig von Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten sichern soll. Dieses Modell steht für eine gemeinsame Beschulung aller Schüler.innen von der Grundschule bis zum Abschluss, ohne frühzeitige Aufteilung in verschiedene Schulformen. Es fördert Chancengleichheit, stärkt den Zusammenhalt in der Gesellschaft und vermeidet die Stigmatisierung von Kindern durch frühzeitige Selektion.
In Oerlinghausen könnte die Zusammenlegung der beiden weiterführenden Schulen auf einer Fläche langfristig den Weg für ein solches Modell ebnen. Auch wenn die aktuelle Debatte in Oerlinghausen vorsieht beide Schulen weiter getrennt zu betreiben, bietet die räumliche Konzentration beider Schulen die Möglichkeit, schrittweise eine integrierte Schulstruktur zu entwickeln. Eine solche Lösung würde nicht nur Ressourcen bündeln und Synergien nutzen, sondern auch soziale Durchmischung fördern – ein zentrales Anliegen linker Bildungspolitik.
Unsere Vision: Eine Innenstadt für alle
Der Bedarf an bezahlbarem, teils zusätzlich altersgerechtem Wohnraum im Kreis Lippe wächst schneller als das Angebot2 – und auch in Oerlinghausen steigen die Mieten. Die freiwerdende Fläche könnte daher für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums genutzt werden. Wenn mindestens die Hälfte der neuen Wohnungen als Sozialwohnungen mit einer Mietpreisbremse von maximal 7,50 Euro pro Quadratmeter warm angeboten werden würden, wäre das ein starkes Signal der Stadt an die junge Generation. Zudem könnten Generationenwohnprojekte mit barrierefreien Wohnungen für Senior.innen sowie Familien entstehen. Genossenschaftsmodelle können sicherstellen, dass der Wohnraum langfristig bezahlbar bleibt und nicht der Spekulation zum Opfer fällt.
Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Ware. Gerade im ländlichen Raum muss sichergestellt werden, dass alle Einkommensgruppen ein Zuhause finden. Wenn wir die Schulflächen neu ordnen, können wir gleichzeitig dringend benötigten, bezahlbaren Wohnraum in zentraler Lage schaffen – ohne die Bildungslandschaft zu schwächen.
Ein Bürger.innencafé mit Begegnungsstätte könnte zusätzlich das Angebot des nahegelegenen Gesundheitszenrums ergänzen und dazu beitragen, Einsamkeit im Alter zu bekämpfen sowie ehrenamtliches Engagement zu fördern.
Dazu könnte der derzeitig als Mensa genutzte, wenige Jahre alte Anbau der Heinz-Sielmann-Schule sinnstiftend weiter genutzt werden.
Daseinsvorsorge ist keine Frage des Luxus, sondern eine Pflichtaufgabe der Kommune. Nur wenn wir attraktive Lebensbedingungen bieten, können wir die Abwanderung junger Familien stoppen und unsere Stadt lebenswert halten. Die freiwerdende Fläche bietet die Möglichkeit, diese Infrastruktur direkt in der Innenstadt zu verankern – und damit die Lebensqualität für alle zu erhöhen.
Klimagerechtigkeit: Ökologische Modellstadt im ländlichen Raum
Die Klimakrise macht auch vor Oerlinghausen nicht halt. Die freiwerdende Fläche bietet die Möglichkeit, ein Modellprojekt für Klimagerechtigkeit zu schaffen, das weit über Oerlinghausen hinaus Strahlkraft entfaltet.
Die neue Fläche könnte als Teil des Klimaanpassungskonzepts der Stadt klimaneutral entwickelt und zukunftsfähig gestaltet werden.
Das bedeutet: Solarpflicht auf allen Dächern, die strategische Entsiegelung von Flächen und die Schaffung von mindestens 30 % Grünflächen – etwa als Park oder Gemeinschaftsgarten. Zudem wäre die Ausgestaltung als autofreie Zone, dafür mit E-Bike-Ladestationen und einem kostenloser Shuttlesbus für die Innenstadt denkbar.
Der ländliche Raum darf kein Freifahrtschein für Klimasünden sein. Im Gegenteil: Gerade hier können wir zeigen, dass ökologische und soziale Belange Hand in Hand gehen.
Bildung und Kultur: Investition in die Zukunft
Gute Bildungsinfrastruktur findet nicht nur in Schulen statt: Die freiwerdende Fläche hat das Potential, die Bildungschancen für alle Bürger.innen zu erweitern.
Ein Jugendzentrum mit Werkstätten für handwerkliche, digitale und kreative Bildung könnte junge Menschen in der Stadt halten und fördern. Zudem könnte eine Kunst- und Musikschule die Attraktivität der Innenstadt weiter erhöhen.
Bildung ist kein Privileg, sondern ein Grundrecht. Nur wenn wir in Bildung investieren, können wir sicherstellen, dass unsere Stadt auch in Zukunft lebenswert bleibt und junge Menschen Perspektiven haben. Die freiwerdende Fläche kann hier ergänzend wirken – ohne die bestehenden Schulstrukturen zu gefährden.
Wirtschaftliche Perspektiven: Arbeit mit Sinn und Zukunft
Aktuell müssen viele Bürger.innen in Oerlinghausen die Stadt verlassen, um Arbeit zu finden. Der negative Pendlersaldo von –2.747 Personen3 zeigt: Es fehlt an attraktiven Arbeitsplätzen vor Ort. Die neue Fläche kann hier Abhilfe schaffen.
Wir fordern die Einrichtung eines Gründerinnenzentrums für Handwerk, Reparaturbetriebe und soziale Unternehmen. Gemeinschaftsflächen für Urban Gardening oder solidarische Landwirtschaft könnten die regionale Wertschöpfung und den Zusammenhalt stärken. Öffentliche Werkstätten für Shared Economy – etwa Leihläden oder Reparaturcafés – würden zudem die lokale Wirtschaft diversifizieren.
Gute Arbeit muss im ländlichen Raum möglich sein – ohne Ausbeutung und mit fairen Löhnen. Die freiwerdende Fläche bietet die Chance, lokale Wertschöpfungskreisläufe zu schaffen, die unserer Stadt langfristig nutzen.
Partizipation: Die Stadt gehört den Bürgerinnen und Bürgern!
Stadtentwicklung darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Planung der neuen Fläche muss transparente und partizipative Prozesse einbeziehen und sich nicht darin erschöpfen, in einem Fragebogen die Interessen von Eltern und Lehrkräften abzufragen.
Wir fordern die Einrichtung eines paritätisch besetzten Bürger.innenrats, der über die Frage des Schulneubaus mitentscheidet und verbindliche Empfehlungen abgibt. Alle Pläne müssen vor den Entscheidungen öffentlich diskutiert werden. Oerlinghausen kann so zum Vorreiter für partizipative Stadtentwicklung im ländlichen Raum werden.
Demokratie endet nicht alle vier Jahre an der Wahlurne. Sie lebt von der täglichen Teilhabe der Bürger.innen. Nur wenn wir alle mitnehmen, können wir sicherstellen, dass die neue Fläche im Sinne der gesamten Stadtentwicklung genutzt wird.
Unsere Forderungen an Politik und Verwaltung
Die freiwerdende Innenstadtfläche ist eine historische Chance für Oerlinghausen.
Um diese Chance zu nutzen, fordern wir:
- Abwägung aller Optionen: Die Diskussion um die Schulflächen muss pädagogische und städtebauliche Aspekte und die Interessen aller Oerlinghauser Bürger.innen gleichwertig berücksichtigen.
- Die Einrichtung eines Bürger.innenfonds, um Ideen aus der Bevölkerung zu finanzieren und umzusetzen.
- Eine enge Kooperation mit dem Kreis Lippe, um Fördergelder – etwa aus dem „Ländlicher Raum 2026“-Programm mit 20 Millionen Euro für NRW – zu akquirieren und sinnvoll einzusetzen.
- Verpflichtende Sozial- und Klimaklauseln für alle Bauvorhaben auf der Fläche, um sicherzustellen, dass die Entwicklung im Sinne der gesamten Bevölkerung erfolgt.
Mitmachen: Ihre Stimme zählt!
Die freiwerdende Innenstadtfläche ist Ihre Chance, Oerlinghausen lebenswerter, sozialer und ökologischer zu gestalten. Wir laden Sie ein, sich an der Diskussion zu beteiligen - melden Sie sich gern bei uns.
1 Kommunalprofil Oerlinghausen des Statistischen Landesamts NRW (IT.NRW), Stand: 15.01.2026 - S.6
3 Kommunalprofil Oerlinghausen des Statistischen Landesamts NRW (IT.NRW), Stand: 15.01.2026 - S.12
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